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Wir
erleben zur Zeit eine widerwärtige Kampagne. Sie ist gegen die
Jugend gerichtet, als Vehikel sollen jugendliche Straftäter mit
einem Migrationshintergrund dienen. Die Saar-CDU ist wie immer mit
dabei, wenn es darum geht, demokratische Rechte massiv
einzuschränken und die politische Achse weiter nach rechts zu
verschieben. Mit Knast sind sie fix – für die Zukunft der
Jugend tun sie nix! Nötig ist aber nicht mehr Knast, sondern mehr
soziale Sicherheit, bessere Bildung und genügend
Ausbildungsplätze, Chancengleichheit, mehr Demokratie und vor
allem eine gesicherte Lebensperspektive für alle
Jugendlichen.
Die rechtskonservativen, ausländerfeindlichen und
antidemokratischen Kräfte in Deutschland haben „ihr“
Thema gefunden: Ausländerkriminalität, besonders junger
Ausländer und die Jugendkriminalität allgemein. Damit
überziehen sie das Land mit einer widerlichen Kampagne,
unterstützt von den rechten Medien bis ins
„bürgerliche“ Spektrum. Das Video über die
brutalen Misshandlungen eines Rentners in München durch zwei junge
Männer ausländischer Herkunft kam wie bestellt für die
Rechtsaußen, wie Koch, Huber u.a.. Gab es vor drei Monaten noch
einen Medien-Meinungsstreit bei den etablierten politischen
Parteien über eine notwendige Bekämpfung der NPD,
wird heute Stimmung für ein anwachsendes neofaschistisches
Bewußtsein gemacht.
Fast täglich werden Menschen ausländischer Herkunft
drangsaliert und brutal misshandelt. Wenn überhaupt, findet sich
höchstens eine kleine Meldung in Zeitungen, keine spaltenlangen
Artikel, keine Bilder; im Fernsehen nicht einmal eine Meldung, von
Videoaufnahmen ganz zu schweigen. Neofaschistische Umtriebe werden
verharmlost. Nazi-Läden, die Jugendkleidung mit neofaschistischen
Symbolen, neofaschistische Musikträger und freiverkäufliche
Waffen anbieten, werden geduldet und erhalten durch Ordnungsamt und
Polizei eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, wie in Neunkirchen. In
Ottweiler konnte ein Kandidat der NPD zur Bürgermeisterwahl in
kurzer Zeit mehr als die notwendigen Unterstützungsunterzeichner
aufs Rathaus bewegen. Rechtsradikales, faschistoides Bewußtsein
ist akzeptiert und man darf sich zeigen und bekennen.
In den Neujahrsansprachen hatten sich Kanzlerin Merkel wie
Ministerpräsident Müller in salbungsvollem Ernst für
bessere Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche
ausgesprochen. Müller: das Saarland werde bei der Verbesserung der
Lebensbedingungen für Kinder voranschreiten.
Zwei Wochen später präsentierte die CDU ihr Konzept: mehr
Knäste, Warnschussarrest, Erziehungscamps, Abschiebung bei
Ausländern. Saar-Justizminister Hecken wollte Koch nicht
nachstehen und forderte sogar Strafcamps für junge Täter,
unterstützt von seinem Chef Müller. Umgehend forderte der CDU
Bundesvorstand auf einer Klausur die Verschärfung des
Jugendstrafrechts. Seitdem kommen fast täglich neue rechtsradikale
Sprüche und Forderungen.
Dass die Saar-CDU diese Schmutzkampagne aktiv vorantreibt, ist nicht
verwunderlich. Die Müller-Regierung hat von Anbeginn ihrer
Regierungszeit im Saarland eine antidemokratische Rechtswende betrieben
(Polizeigesetze, Handhabung des Ausländerrechts, Überwachung,
Demokratieabbau).
Mit dieser Kampagne versucht die CDU offensichtlich den Erfolg des
französischen Rechtspopulisten Sarkozy zu kopieren und zu
wiederholen. Es geht jedoch nicht nur um kurzfristige Wahlerfolge. Die
Rechtskonservativen wollen das gesellschaftliche Bewußtsein und
die Politik weiter nach Rechts drücken. Widerstand gegen die
fortgesetzte Einschränkung von Bürgerrechten (z.B. online
Durchsuchung) und demokratischen Errungenschaften (z.B. Streikrecht)
sollen geächtet werden. Die antidemokratischen Pläne und
Forderungen von Bundesinnenminister Schäuble, die gesetzeswidrigen
Maßnahmen von Bundesanwältin Harms gehen nur in eine
Richtung: der soziale Protest soll kriminalisiert werden und der Staat
schlägt mit allen Mitteln zu, einschließlich der Bundeswehr.
Die Realpolitik der CDU-Landesregierung und der neoliberalen CDU/SPD
Bundesregierung ist ein einziges Desaster für Jugendliche und
Bürger/innen ausländischer Herkunft; von der Regierung jedoch
wird diese Politik bewusst betrieben. Beispiele sind:
- Das Diakonische Werk musste in Neunkirchen die
Migration-Erstberatungsstelle schließen. Die Bundesregierung
kürzte die Finanzmittel um die Hälfte; das Land gibt nicht
einen Euro.
- Dem JuZ St. Ingbert streicht die
Landesregierung die Zuschüsse, weil ihr der Träger und die
inhaltliche Ausrichtung nicht passen.
- Der erste Abiturjahrgang des achtjährigen
Gymnasiums (G8) droht deutlich schlechter zu werden als die Absolventen
des G9; Lehrer- und Elternverbände fordern echte Ganztagsschulen
– Kultusministerin Karrenbauer bietet
„Stützunterricht“.
- Noch immer gibt es Hunderttausende Jugendliche ohne
Ausbildungsplatz. Die Lehrstellenbilanz 2007 ist so schlecht, dass die
Bundesregierung an Ausbildungsbetriebe „Lehrgeld“ zahlen
will.
„Knäste statt
Lehrstellen“ ist das Programm der Rechtskonservativen zur
Bekämpfung der Bildungsmisere, fehlender Ausbildungsplätze
und Jugendarbeitslosigkeit, zur Überwindung von
Perspektivlosigkeit und Verdrossenheit und dem sich Ausklinken von
Jugendlichen aus der Gesellschaft. „Nicht in Gefängnisse,
sondern in bessere Schulen investieren!“ fordern statt dessen
Kriminologen, Richter, Soziologen und Gewerkschafter. Alle
gesellschaftlichen Kräfte außer den Neofaschisten lehnen die
Kampagne der rechtskonservativen CDU/CSU und entsprechender Medien ab.
Wir halten es für notwendig Formen und Methoden des Widerstands zu
entwickeln und die Forderungen der gewerkschaftlichen und linken
Jugendorganisationen für mehr soziale und demokratische
Jugendrechte zu unterstützen. Dazu wollen wir unseren Beitrag
leisten.
Gemeinsam mit anderen demokratischen und antifaschistischen
Kräften, mit linken, gewerkschaftlichen und sozialistischen
Jugendorganisationen fordern wir Kommunisten:
- Bildung für alle, vor allem auch für
Jugendliche aus Einwandererfamilien – statt Elitebildung und
Studiengebühren,
- wirkungsvolle Integrationsmaßnahmen statt Sonntagsreden und Kürzungen der Finanzmittel,
- Ausbildungsplätze für alle Bewerber/innen
und Fördermaßnahmen für Jugendliche mit
Lernschwächen statt Lehrstellen-Prämien für Betriebe,
- mehr Schulsozialarbeit und Streetworker, mehr vorbeugende Gewaltverhinderung statt „Warnschuss-Arrest“
- sichere Arbeitsplätze für Jugendliche und
junge Erwachsene mit einer sicheren Perspektive statt Arbeitslosigkeit,
Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit!
Die Sozialistische Deutsche
Arbeiterjugend (SDAJ) hat mit ihrem aktuellen Jugendaktionsprogramm
„Gemeinsam gegen Bildungsabbau und Arbeitsplatzvernichtung“
eine Alternative zur Demagogie der Rechtskonservativen und Vorschlag
für die linke und gewerkschaftliche Jugendbewegung
veröffentlicht. (http://www.sdaj-online.de)
Saarbrücken, 22. Januar 2008
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